7. Brumschedl erhält einen wichtigen Auftrag

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Die Tante ist tot. Es lebe die Zukunft. 

Brumschedl hat nur einen bedingt guten Kontakt zum Tod. Die Zeit, den Tod ausreichend kennenzulernen, um ihn zu mögen, hat ja keiner. Kaum lernt man ihn kennen ist es auch schon vorbei.

Natürlich gibt es gewisse Annäherungen an den Tod, das nennt man wohl Sterben, fördert aber auch nicht die Liebe zum finalen Ereignis.

 

Brumschedl findet es interessant, dass sich die meisten Menschen darüber Gedanken machen, was nachher sein wird, anstatt sich zu überlegen, wie es vorher war.

Brumschedl ist sich sicher, dass er vor seiner Geburt nichts Besonderes für diese Welt geplant hatte, und es erschien ihm daher auch nicht dringlich, für die nächste Welt etwas zu planen. Außerdem fehlte ihm dazu das kreative Potential.

 

Wie sollte man sich - wenn man zu den abscheulichen Typen dieser Welt zählte - etwa auf ein späteres Dasein als höllisches Grillgut vorbereiten? Regelmäßig einölen?

 

Sollten sich andererseits die unschuldig Braven als täglich Todgeweihte im städtischen Straßenverkehr stets mit einer Harfe auf den Weg machen, um im Fall des Falles das erforderliche Equipment gleich mitzuhaben? Wie sähe es aus wenn man sich erst bei Beziehen des zugewiesenen Himmelswölkchens von irgendeinem Streberengel dessen Zweitinstrument leihen müsste?

 

 

Brumschedl selbst sieht sich eher als Kandidat für das zeitlich begrenzte Fegefeuer. Sollte er sich deshalb  nicht schon zu Lebzeiten eine robuste Uhr zulegen, die er ja zum Beispiel beim nächsten Saunabesuch sicherheitshalber auf Hitzeverträglichkeit prüfen könnte? 

 

Es gibt viele Spekulationen über das Jenseits. Dabei hat man das Diesseits noch nicht gänzlich verarbeitet.

Brumschedl fallen oft die verschiedensten Schauergeschichten seiner Kindheit ein und manchmal kiefelt er noch immer daran, unsicher, ob sie nun stimmen könnten oder nicht.

 

„Tu nicht schielen, sonst bleiben dir die Augen stecken!“

Brumschedl hat daher nie geschielt und er hat immer gefunden, dass sich Jerry Lewis ganz schön etwas traut.

 

„Wenn du nicht aufisst, wird es morgen regnen!“

Brumschedl isst grundsätzlich mehr, wenn es regnet.

 

„Wenn du da unten herumspielst wirst du blind!“

Brumschedl hatte bis vor kurzem gesehen wie ein Luchs, schön langsam aber braucht er eine Brille. Er glaubt aber nicht, dass es daran lag, dass er sich gelegentlich mit "da unten" vertraut gemacht hatte.

Die heute noch nachzulesenden Tipps für die Gewissenserforschung vor dem katholischen Beichtgang sind anschaulich mit grausamen Drohungen verknüpft. Brumschedl hält sie schon alleine deshalb für besonders fies, weil sie kein Mensch überprüfen kann. Wenn er als Lehrer einem Tunichtgut höllische Peinigung androhte und sie dann nicht einhielte, würde ihm die verlorene Seele  nichts mehr glauben. Gerade, wo es um’s Glauben geht, sollte man sich nicht solch kindischer Schreckschüsse bedienen.

 

Brumschedl weiß natürlich, dass die sadistischen Jenseitsoptionen für die Schlimmen auch nur von einem Menschen kolportiert wurden, der angeblich das Jenseits bereits  kennen gelernt hatte und nach himmlischer Höhenfahrt, sprich Auferstehung, über das ewige Leben plaudern durfte, damit es für die irdischen Nichtwisser glaubwürdiger werde.

 

Brumschedl hat prinzipiell nichts gegen Leute, die sich für diesen einen - oder auch irgend einen anderen -heiligen Berichterstatter aus dem Drüben begeistern können. Ihn stört nur die vielfache Vermessenheit, andere nicht auch etwas anderes glauben zu lassen.

 

 

Wenn die vergeistigten Vertreter aller Religionen zugeben würden, dass sie nicht gescheiter sind als die restliche Menschheit, so würden viele Gläubige zwar ihren Halt verlieren, dafür aber wahrscheinlich weniger  überheblich in ihrem Fanatismus sein, was das Begreifen von Dimensionen angeht, die für das Menschenhirn eben nicht begreifbar sind. 

Wer glaubt zu wissen, der sollte wissen, dass er auch nur glaubt.